Dossier Sexualkunde
Die Pubertät ist die Etappe im Leben, in der sich der Körper und das Gehirn am meisten verändern. Hier erfährst du das Wichtigste, damit du weisst, was mit dir in den nächsten Jahren passiert und was sich verändert.
Dein Körper verändert sich

Seit du auf die Welt gekommen bist, hat sich dein Körper stark verändert: Deine Grösse hat sich fast verdreifacht und dein Gewicht rund verzehnfacht. Es ist also vieles passiert mit deinem Körper in den letzten 11 bis 12 Jahren, und Veränderungen werden dich das ganze Leben lang begleiten. Es gibt aber eine Etappe im Leben, wo sich der Mensch besonders schnell verändert, diesem Abschnitt nennt man Pubertät. Pubertas ist lateinisch und heisst «Geschlechtsreife», also der Moment, wo ein Mensch selbst Kinder haben und Vater oder Mutter werden kann. Vielleicht bist du erstaunt, dass dies so früh möglich ist, aber keine Angst, die Veränderungen passieren nicht von einem Tag auf den anderen. Es ist ein Prozess, der mehrere Jahre dauert, bei manchen früher oder später beginnt und in verschiedenen Etappen abläuft. Am Ende bist du ein erwachsener Mensch.
Das Gehirn wird zur Baustelle
Die Veränderungen finden auch im Kopf statt. Während der Pubertät findet dort der grösste Umbau des ganzen Lebens statt. Das kann dich ganz schön durcheinanderbringen. Du fühlst dich dann manchmal super fröhlich und könntest die Welt umarmen, aber manchmal auch niedergeschlagen und unzufrieden. Es ändern sich vielleicht auch deine Interessen: Was du früher toll und aufregend fandest, kommt dir jetzt plötzlich langweilig und kindisch vor. Es steht dir also eine aufregende Zeit bevor, aber keine Angst, du bist nicht alleine. Alle deine Kolleginnen und Kollegen erfahren diese Veränderungen, und jeder erwachsene Mensch hat seine Pubertät auch durchgemacht. Wichtig ist aber, dass du den Mut hast, darüber zu sprechen, wenn du etwas siehst, das sich an deinem Körper verändert, und es macht dir Sorgen, dann sage es deinen Eltern oder sprich eine Lehrperson an, zu der du einen guten Draht hast.
Über den Körper sprechen
Von Zuneigung über Verlieben bis zu Erregung und Sexualität

Erregung bei der Frau
Erregung des Mannes
Die sexuelle Vereinigung
Selbstbefriedigung – Sexualität ganz allein
Sexualität mit dem gleichen Geschlecht
Der Zyklus der Frau

1. Die Menstruation (Tag 1 bis ca. Tag 6)
2. Aufbau der Schleimhaut & Eireifung (ca. Tag 7 bis 13)
3. Der Eisprung (ca. Tag 14)
4. Die Vorbereitung & das Gelbkörperhormon (ca. Tag 15 bis 28)
Verhütungsmethoden im Überblick

1. Kondom & Femidom (Barriermethoden)
Kondom: Eine hauchdünne Hülle aus Latex (oder synthetischem Material), die vor dem Geschlechtsverkehr über den steifen Penis gezogen wird.
Femidom: Eine flexible Hülle, die vor dem Sex in die Scheide eingesetzt wird.
Beide fangen den Samenerguss auf, sodass keine Spermien in die Gebärmutter gelangen können.
Vorteile:
- Schutz vor Krankheiten: Es ist die einzige Verhütungsmethode, die auch vor sexuell übertragbaren Infektionen (z. B. HIV) schützt!
- Leicht rezeptfrei in Drogerien oder Supermärkten erhältlich.
- Greift nicht in den Hormonhaushalt des Körpers ein.
Nachteile:
- Muss vor jedem Geschlechtsverkehr richtig angewendet werden.
- Kann bei unsachgemässer Handhabung oder scharfen Gegenständen (z. B. Fingernägeln) reissen.
2. Die Antibabypille (hormonellee Methode)
Eine Tablette, die Mädchen oder Frauen jeden Tag etwa zur gleichen Zeit einnehmen. Sie enthält Hormone, die dem Körper signalisieren, dass kein Eisprung stattfinden muss. Ohne Eisprung gibt es keine Eizelle, die befruchtet werden könnte.
Vorteile:
- Sehr sichere Verhütungsmethode bei regelmässiger Einnahme.
- Kann Regelschmerzen lindern und den Zyklus regelmässiger machen.
Nachteile:
- Muss täglich und sehr diszipliniert eingenommen werden (Vergessen vermindert den Schutz).
- Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Kann Nebenwirkungen haben (z. B. Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen), da sie in den Hormonhaushalt eingreift.
- Ist rezeptpflichtig (ärztliche Beratung notwendig).
3. Die Kupferspirale (mechanische/Wirkstoff-Methode)
Ein kleiner, T-förmiger Körper aus Kunststoff, der mit einem dünnen Kupferdraht umwickelt ist. Eine Ärztin oder ein Arzt setzt die Spirale direkt in die Gebärmutter ein. Das Kupfer gibt winzige Mengen Kupferionen ab, die Spermien ausbremsen und verhindern, dass sich eine Eizelle einnisten kann.
Vorteile:
- Wirkt für mehrere Jahre (meist 3 bis 5 Jahre), ohne dass man täglich daran denken muss.
- Enthält keine Hormone.
Nachteile:
- Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Das Einsetzen kann kurzzeitig schmerzhaft sein.
- Kann dazu führen, dass die Monatsblutung etwas stärker oder schmerzhafter wird.
4. Das Hormonpflaster (Hormonelle Methode)
Ein kleines, dünnes Pflaster, das auf die Haut (z. B. am Po, Bauch oder Oberarm) geklebt wird. Es gibt kontinuierlich Hormone über die Haut in das Blut ab. Wie bei der Pille wird dadurch der Eisprung verhindert. Das Pflaster wird einmal pro Woche gewechselt (drei Wochen lang, gefolgt von einer Woche Pause).
Vorteile:
- Man muss nur einmal in der Woche daran denken (statt täglich wie bei der Pille).
- Wirkt auch dann weiter, wenn man sich erbrechen muss oder Durchfall hat.
Nachteile:
- Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Ist an der Haut sichtbar und kann bei empfindlicher Haut Reizungen verursachen.
- Greift wie die Pille in den Hormonhaushalt ein.
5. Sterilisation & Vasektomie (Dauerhafte Methoden)
Dies sind medizinische Operationen für Erwachsene, die ihre Familienplanung komplett abgeschlossen haben:
Vasektomie (beim Mann): Die Samenleiter werden durchtrennt, sodass keine Spermien mehr im Samenerguss enthalten sind.
Sterilisation (bei der Frau): Die Eileiter werden verschlossen oder durchtrennt, sodass Eizelle und Spermium sich nicht mehr treffen können.
Vorteile:
- Dauerhafter und extrem sicherer Schutz für den Rest des Lebens.
- Man muss sich nie wieder Gedanken über Verhütung machen.
Nachteile:
- Schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
- Ist ein chirurgischer Eingriff.
- Lässt sich nur sehr schwer oder gar nicht mehr rückgängig machen (endgültige Entscheidung).
Zusatz-Hinweis für den Notfall: Die „Pille danach“
Was passiert, wenn etwas schiefgeht?
Falls ein Kondom reisst oder die Pille vergessen wurde, gibt es für den Notfall die sogenannte «Pille danach». Sie verhindert oder verschiebt den Eisprung im aktuellen Zyklus, muss aber so schnell wie möglich nach dem Sex eingenommen werden. Sie ist keine normale Verhütungsmethode, sondern ein Rettungsanker für den Notfall.
Natürliche Methoden
Es gibt noch eine Reihe natürlicher Methoden, die aber sehr unsicher sind und deshalb keinen zuverlässigen Schutz bieten.
- Die Temperaturmethode: Da beim Eisprung die Körpertemperatur leicht ansteigt, lässt sich das mit einem Fieberthermometer messen. Da es aber auch weitere Gründe gibt, weshalb die Körpertemperatur sich verändert, z. B. bei einer Erkältung, ist dies keine sehr zuverlässige Variante.
- Frauen mit sehr regelmässigem Zyklus wenden manchmal die Kalendermethode an. Damit werden im Kalender die fruchtbaren Tage markiert und an diesen Tagen auf Geschlechtsverkehr verzichtet. Da verschiedene Dinge, z. B. Stress oder eine längere Reise, den Zyklus beeinflussen, ist auch diese Methode unsicher und sollte nicht zur Verhütung verwendet werden.
- Der Koitus interruptus ist ebenfalls eine natürliche Methode, bei der der Mann den Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide zieht. Oft gelangen aber schon vor dem Orgasmus Spermien in die Scheide, was bereits zu einer Schwangerschaft führen kann.
Sexuelle Gewalt – Nein heisst Nein!

Sexuelle Gewalt ist eine schwere Verletzung der Grenzen eines Menschen. Gewalt liegt immer dann vor, wenn jemand gegen den eigenen Willen zu etwas gezwungen, bedroht oder erpresst wird. Sexuelle Gewalt geht meistens (aber nicht nur) von Männern aus. Es gibt verschiedene Formen sexueller Gewalt – drei davon schauen wir uns hier genauer an.
1. Sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung
Von einer Vergewaltigung spricht man, wenn jemand gegen seinen Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen wird. Das kann durch körperliche Gewalt geschehen, aber auch durch psychischen Druck (zum Beispiel durch Sätze wie: «Wenn du mich liebst, machst du das»).
Gut zu wissen: Die meisten Übergriffe geschehen nicht durch fremde Personen auf der Strasse, sondern im bekannten Umfeld – etwa in der Familie, im Freundeskreis oder in Beziehungen. Deshalb fällt es Opfern oft schwer, darüber zu sprechen.
Das Gesetz in der Schweiz: Sexuelle Handlungen mit Kindern unter 16 Jahren sind streng verboten. Einvernehmliche Erfahrungen zwischen Jugendlichen sind erlaubt, wenn der Altersunterschied maximal 3 Jahre beträgt. Niemand darf dich gegen deinen Willen anfassen oder zu etwas drängen!
2. Zwangsprostitution und Menschenhandel
Menschenhandel ist ein schweres Verbrechen. Betroffene – überwiegend junge Frauen und Mädchen – werden oft mit falschen Versprechungen (etwa einem Job als Model) in ein anderes Land gelockt. Dort angekommen werden ihnen die Pässe abgenommen und sie werden mit Gewalt gezwungen, sexuelle Handlungen gegen Geld durchzuführen. Da sie Angst haben und die Sprache oft nicht sprechen, sind sie gefangen. Zwangsprostitution ist weltweit und auch in der Schweiz strengstens verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
3. Weibliche Genitalbeschneidung
Bei der weiblichen Genitalbeschneidung werden Mädchen oder jungen Frauen Teile der Genitalien (wie die Klitoris) verletzend entfernt oder verändert. Dies ist eine schwere Verletzung der Menschenrechte. Dies führt bei den Betroffenen zu extremen Schmerzen, schweren gesundheitlichen Spätfolgen und nimmt ihnen das sexuelle Empfinden.
Diese Praxis ist eine alte kulturelle Tradition in verschiedenen Regionen der Welt (vor allem in Teilen Afrikas) und wird unabhängig von der Religion praktiziert. Keine Weltreligion schreibt diese Praxis vor. In der Schweiz und vielen anderen Ländern ist Genitalbeschneidung strikt verboten.
🛑 Du bist nicht allein! Hier findest du Hilfe:
Wenn dir oder jemandem, den du kennst, etwas widerfährt, das sich nicht gut anfühlt oder deine Grenzen verletzt: Du trägst niemals die Schuld! Sprich mit einer Vertrauensperson (Lehrkraft, Schulsozialarbeit) oder wende dich kostenlos und anonym an:
- Notruf / Beratung für Kinder und Jugendliche: Tel. 147 oder auf www.147.ch
- Opferhilfe Schweiz: www.opferhilfe-schweiz.ch
Wie du dich und andere schützen kannst (Prävention)

Auch wenn man sexuelle Gewalt leider nicht in jeder Situation alleine verhindern kann: Es gibt wichtige Regeln und Schritte, die dir und deinen Mitschüler*innen helfen, sicher zu bleiben und Grenzen zu achten.
1. Sei klar in deinen Signalen: Ein «Nein» ist stark!
Ein deutliches «Nein!» oder «Stopp!» ist eine starke Botschaft. Wenn du merkst, dass sich etwas unangenehm anfühlt, sage es sofort. Je länger man wartet, desto schwerer fällt es oft, die Stopp-Taste zu drücken.
- Bist du unsicher? Mache eine Pause, schlafe eine Nacht darüber und sprich mit jemandem, dem du vertraust.
- Probleme in der Familie oder im Bekanntenkreis? Wenn Dinge passieren, die nicht in Ordnung sind, hole dir Hilfe von aussen. Du bist damit nicht allein!
2. Mache den Selbsttest (Einvernehmlichkeit / Konsens)
Frag dich in einer Situation immer selbst: «Wenn ich die andere Person wäre – fände ich das, was gerade passiert (z.B. eine Berührung oder ein Kuss), wirklich okay oder wäre mir das zu viel?»
- Bist du dir nicht sicher? Einfach nachfragen!
- «Ich würde dich gerne küssen – möchtest du das auch?»
- Solche Fragen sind nicht peinlich, sondern zeigen Respekt, Achtsamkeit und Reife – egal ob bei Jungs oder Mädchen.
3. Hole dir rechtzeitig Hilfe bei echten Menschen
Es ist immer besser, einmal zu viel nach Hilfe zu fragen, als einmal zu wenig! Wenn dich eine Situation verunsichert, ängstigt oder überfordert, wende dich an echte Vertrauenspersonen:
- Deine Eltern oder Erziehungsberechtigten
- Die Schulsozialarbeit oder eine Lehrperson
- Die kostenlose Notrufnummer 147 (anonym & rund um die Uhr)
⚠️ Wichtig im digitalen Zeitalter:
Hole dir bei Problemen mit sexueller Gewalt keine Hilfe über Social Media, Suchmaschinen oder KI-Chats. Dort erhältst du oft falsche oder verwirrende Ratschläge und gibst eventuell private Daten von dir preis. Echte Hilfe bekommst du nur von Fachpersonen und Menschen, die dich schützen können!
Liebe Schülerinnen und Schüler
Sexualität ist etwas Aufregendes, Schönes und Spannendes. Diese Erfahrung mit jemandem zu teilen, den man gerne hat, ist ein starkes Gefühl, das zwei Menschen verbindet. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr diese Erfahrungen positiv erleben könnt, wenn ihr älter werdet – gemeinsam mit einer Person, die zu euch passt.
Eine gute Beziehung bedeutet, dass man einander zuhört, respektvoll miteinander umgeht und sich gegenseitig schätzt. Wenn zwei Menschen zusammen sind, sollten sich beide wohl und sicher fühlen. Wenn jemand das Gefühl hat, immer nur nachzugeben oder übergangen zu werden, ist die Beziehung nicht im Gleichgewicht. Dann hilft es, offen darüber zu sprechen oder jemanden um Rat zu fragen.
Leider gibt es bei der Sexualität auch Grenzen, die überschritten werden können. Manche Menschen haben keine guten Absichten. Deshalb gilt:
- Schütze deine Grenzen: Lass dich niemals an Orte locken, die du nicht kennst, und gehe nicht mit fremden Personen mit.
- Vertraue deinem Bauchgefühl: Wenn jemand – egal ob eine ältere Person oder jemand in deinem Alter – Dinge von dir verlangt, die du komisch, unangenehm oder falsch findest: Sage bestimmt Nein! Du bestimmst über deinen Körper. Niemand darf dich zu etwas drängen. Wenn du dir unsicher bist, nimm dir Zeit zum Nachdenken und hol dir Hilfe.
Heute ist es einfach, im Internet oder auf dem Smartphone auf Filme, Serien oder Pornos zu stossen, die nicht für euer Alter gedacht sind. Wichtig zu wissen ist: Das, was dort gezeigt wird, ist meistens geschauspielert, unrealistisch und hat nichts mit echter Liebe zu tun.
Das Wichtigste zum Schluss: Lass dir Zeit! Niemand muss mit 14 oder 15 Jahren schon Sex haben. Es gibt kein Tempo, das man einhalten muss. Es ist völlig in Ordnung, wenn du deinen eigenen Zeitpunkt wählst – mit einer Person, der du vertraust und mit der du diesen Moment teilen möchtest.
Ich wünsche euch für diese spannende Etappe in eurem Leben alles Gute, den nötigen Mut, auf eure Grenzen zu achten, und vor allem wunderschöne, ehrliche Freundschaften und Beziehungen!
Herzliche Grüsse
Euer